Die meisten mögen den Winter nicht sonderlich, sondern warten nur darauf, dass er endlich vorüber ist. Der Ärmste. Er ist zu kalt, zu dunkel, zu stilll.
Gerade heute hat eine Frau zu mir gesagt: “Jetzt warten wir auf den Frühling. Aaaaber am Wochenende soll wieder Schnee kommen.“ Augenrollen.
„Schön,“ habe ich meinerseits gedacht „ich freu mich drauf! Also auf den Schnee, der vielleicht am Wochenende kommt.“ Sehnsucht nach Frühling verspüre ich ehrlichgesagt noch nicht. Gerade stürmt es draußen. Ich habe meine erste Tasse Kaffee getrunken … eingewickelt in meine Lieblingsdecke, Feuer gemacht und schreibe jetzt hier ein wenig, bevor ich nacher zur Arbeit gehe.
Ich mag den Winter. Irgendwie ist er die ehrlichste Jahreszeit von allen.

Wenn ich morgens ohne Wecker aufwache, mir eine Tasse Kaffee koche und in meinem Lieblingssessel am Fenster sitze, während es draußen noch stockdunkel ist. Oder wie jetzt an einem Artikel schreibe, während ich draußen den Wind höre und um die Ecke das Feuer im Kamin knistert. Wenn an klaren Tagen die Sonne aufgeht und der Himmel in noch schöneren Farben leuchtet, als niemals sonst im Jahr. Wenn ich mich dann warm anziehe, nach draußen gehe und der Frost im ersten Licht glitzert …
… dann gibt es keinen Mangel an Zeit. Nur einen Überfluss an Eile. Genau hier beginnt für mich „Slow Living“: Im Winter.
Nicht im Weniger-Tun, sondern im bewussteren Dasein. Wenn alles langsamer wird und wir es auch dürfen.
Kurze Tage, lange Nächte, wenig Licht.
Mir ist bewusst: Für viele kann der Winter echt schwer sein.. Seasonal Affective Disorder ist real, und das Grau in Grau kann sich wirklich auf die Stimmung legen. Doch wenn man aufhört, gegen diese Jahreszeit anzukämpfen und versucht, das Schöne in ihr zu sehen …. und das hat sie definitiv – jede Menge Wunderschönes! … dann passiert etwas.
Wenn du raus in die Natur gehst, dann siehst du: Sie selbst zeigt uns, wie Leben im Winter funktioniert. Die kahlen Äste wirken leer, und doch ist da Leben. Verborgen unter der Rinde. Nichts wächst sichtbar und trotzdem wissen wir, dass sich alles erneuert.

Der Winter lehrt uns, dass Rückzug kein Stillstand ist.
Der Winter als Einladung nach innen
Für mich ist diese Zeit ideal, um tiefer zu gehen. Das geschieht eigentlich immer von alleine. Wer kennt das auch?
Damit meine ich, dass ich meine Interessen vertiefe. Mehr lese. Überlege, wie ich mein Zuhause schöner machen oder umgestalten kann. Ich miste aus. Organisiere um. Hinterfrage viel, lerne, plane. Habe weniger Lust auf Social Media, Netflix und Co. Mehr Lust auf Bücher, Ideen sammeln. Planen. Dafür schenkt mir der Winter genau den Raum, den ich brauche.
Auf seine Art ist der Winter also auch eine Phase des Wachsens für mich. Die langen Abende und ruhigeren Tage sind perfekt dafür gemacht, um Neues zu lernen oder Altes zu vertiefen. Ein Onlinekurs oder das Überdenken meiner Richtung. Wo will ich hin? Will ich das Alte so beibehalten? Was möchte ich verändern? Zum Beispiel auf meinen Blogs. Ich hing die letzten Monate in einer Art Unzufriedenheit fest. Ich hatte keine Lust mehr auf „nur“den alten Content. Stur immer Wanderungen, bzw. nur Rezepte? Am allerliebsten hätte ich aus den beiden Blogs nur einen einzigen gemacht. Aber das wäre dann doch zuviel Durcheinander, glaube ich. Noch etwas mehr von meinem Leben möchte ich auf jeden Fall einbringen.
Langsame Morgen
Ein langsamer Wintermorgen muss nichts Großes oder Kompliziertes sein. Ich finde es schön, früh aufzustehen. Wenn alles noch ganz still ist und dunkel. Der Morgen fühlt sich durch die Dunkelheit viel länger an … und ein wenig magisch. Ich mag das.
Und manchmal reicht es schon … eine Kerze anzuzünden, die Hände um eine warme Tasse zu legen, eingehüllt in eine Decke zu sitzen, ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen, ein paar Seiten zu lesen ….
Nicht als Routine, sondern nur so. Für mich selbst.
Und wenn es dann langsam hell wird, tut es gut einen kurzen Winterspaziergang zu machen. Gut eingepackt, mit knirschendem Schnee unter den Schuhen, klarem Atem und dieser besonderen Stille: Einfach unbezahlbar und wunderschön.

Kleine Rituale für den Alltag – Slow Living
Ich liebe Meditation, neue Rezepte ausprobieren, Yoga, Journaling – jeden Morgen bei meinem Kaffee schreibe ich über den vorangegangenen Tag und das, was ich über den angebrochenen schon weiß und mir wünsche. Im Hintergrund läuft oft leise Musik. Es duftet nach Duftkerzen (momentan nach Belgischen Waffeln) oder Ölen, die ich mit Wasser in einer alte gusseiserne Kanne auf dem Ofen verdampfen lasse (Lavendel mit Orange ist meine Lieblingsmischung. 9 Tropfen Lavendel und 5 Tropfen Orange)
Das alles soll natürlich keine ToDo Liste sein, sondern ein Angebot. Oder eher eine Inspiration.
Nimm dir gerne etwas davon mit, wenn du möchtest.

Der Winter ist keine Pause vom Leben. Er ist ein anderer Rhythmus. Eine Zeit, in der wir nicht glänzen müssen. Nicht wachsen müssen. Nicht leisten müssen. Sondern einfach da sein dürfen. Und vielleicht liegt genau darin seine größte Schönheit.
Liebste Grüße, Isabell




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