Auf den ersten Blick geht es in diesem Artikel um das Moor. Eigentlich geht es aber um etwas ganz anderes. Es ist vielmehr ein Artikel darüber, wie wir die Welt betrachten.
Ich werde nämlich manchmal gefragt, ob mir nicht langweilig wird, immer wieder an dieselben Orte zu gehen. Oder ob ich nicht denke, dass Menschen, die meinen Blog lesen und meine Bilder anschauen, sich irgendwann daran sattgesehen haben.
Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich noch nie zweimal am selben Ort gewesen bin.
Ein Morgen am Moor
Das Moor ist der Ort, den ich am meisten liebe.
Und trotzdem ist es dort nie gleich.
Jedes Mal, wenn ich dort bin, vergesse ich die Zeit. Ich könnte stundenlang den Holzbohlenweg entlanglaufen, stehen bleiben, wieder umdrehen und einfach nur schauen.
Das Licht verändert sich. Mal liegt Nebel über dem See, mal scheint die Morgensonne durch die Bäume. Es ist Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Manchmal regnet es. Manchmal glitzert Raureif auf den Gräsern. Im Winter trägt alles eine feine Schneedecke, der See friert zu und spiegelt den Himmel. Im Frühling blüht das Wollgras. Im Sommer schwimmen junge Enten über das Wasser. An manchen Tagen streicht nur der Wind durch die Bäume und lässt sie leise rauschen.

Kein Morgen gleicht dem anderen.
Bei meinem letzten Besuch war ich wieder sehr früh dort. Alles lag in dichtem Nebel. Zu Beginn konnte man die Bäume am anderen Ufer kaum erkennen. Ich setzte mich auf eine Bank, trank meinen Kaffee, lief mit dem Becher in der Hand ein Stück den Holzbohlenweg entlang, fotografierte und schrieb ein paar Gedanken in mein Notizbuch.
Es ging mir gar nicht darum, möglichst viele Kilometer zu laufen.
Ich wollte einfach nur dort sein.

Warum ich immer wieder zurückkehre
Ich kenne diesen Weg inzwischen seit Jahren.
Und doch habe ich noch nie zweimal denselben Ort gesehen.
Vielleicht liegt das nicht nur daran, dass sich die Natur ständig verändert.
Vielleicht bin auch ich jedes Mal ein wenig anders.
Manche Tage bringen Leichtigkeit mit. Andere sind stiller. Manchmal nehme ich den Nebel wahr, manchmal das Licht, manchmal den Wind oder das Zwitschern der Vögel. Und genau deshalb entdecke ich immer wieder etwas Neues, obwohl ich denselben Weg gehe.
Vielleicht verändern sich Orte gar nicht so sehr. Vielleicht sind wir es, die sie jedes Mal mit anderen Augen betrachten.
Immer wieder derselbe Ort – und doch eine neue Geschichte

Manch einer denkt vielleicht:
„Warum zeigt sie schon wieder das Moor?“
Die Antwort ist ganz einfach: Weil es eben nie dasselbe Moor ist. Vielleicht ist das sogar das Schönste daran.
Es erinnert mich daran, dass wir Schönheit oft nicht an neuen Orten finden müssen. Manchmal genügt es, langsamer zu werden und genauer hinzusehen. Denn auch ein vertrauter Weg kann uns immer wieder überraschen.
Vielleicht gibt es auch bei euch einen Ort, zu dem ihr immer wieder zurückkehrt. Nicht, weil er sich verändert hat – sondern weil ihr es getan habt.

Falls ihr das Moor noch zu anderen Jahreszeiten erleben möchtet, findet ihr hier noch ein paar meiner Lieblingsmomente:
Liebste Grüße, Isabell






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